Es ist einfach zu heiß, um eine gute Reisende zu sein.

Sieben Tage in der Metropole von Malaysia, sieben Tage mit über 35 Grad im Schatten und sieben Tage die Frage „Wie gefällt mir Kuala Lumpur (kurz KL) eigentlich?“

Es folgen ein paar sehr sehr subjektiver Gedanken und Bilder, die mir/uns in der Zeit in KL, beim abkühlen, begegnet sind. Sarkasmus inbegriffen.

Warum eigentlich Malaysia (wolltet ihr nicht nach Thailand)?

Um ehrlich zu sein gibt es da einen GUTEN und einen praktischen Grund. Der gute Grund ist ein wunderbarer Mensch, namens Chelsea, die wir im Oktober 2019 an unserem ersten Tag in Guatemala kennengelernt haben und dann ein zweites Mal in Nicaragua trafen. Chelsea ist Malaysierin und meinte damals, dass wenn wir irgendwann mal nach Malaysia kämen, wir sie unbedingt besuchen kommen sollten. Gern, aber wo liegt Malaysia? Ist es der Ort mit den Infinitypools und beleuchteten Bäumen? Nein das ist Singapur, sagte sie damals und rollte mit den Augen. 😉 Der praktische Grund war der, dass wir ein paar Herausforderungen hatten eine gute Flugverbindung von Sri Lanka (Colombo) nach Thailand zu finden. Aber was solls, wenn Plan A nicht geht, dann finden wir einen Plan B oder CDEFG…. In diesem Falle war es Plan M und damit Malaysia. Und nun sind wir da.

In Kuala Lumpur einer riesigen Stadt leben über 1,8 Millionen Menschen, zwischen Hochhäusern und einfachen Behausungen mit vergitterten Balkonen auf denen Wäsche getrocknet wird, mit riesig grellen Billboards (Werbetafeln), einem modernem Schienentransportsystem, unzähligen Megamalls sowie Ratten, die in den Seitenstraßen nach Essen suchen. Die Stadt ist eine riesige Baustelle, überall hängen halb fertige Autobahnen in der Luft und Kräne wetteifern mit den Wolkenkratzern in der Höhe um Aufmerksamkeit. Ein paar Parkanlagen spenden Schatten, aber für die wahre Abkühlung gehen die Menschen in die Mall (die dann einfach mal unter dem Park gebaut ist). Kuala Lumpur ist HOT. Die Temperatur übersteigen hier spielend die 35 Grad, auch am Abend, sodass ich fast ungern das klimatisierte Zimmer verließ und mich fragte, wie Menschen hier leben können, bzw. wie soll ich mir hier die Stadt angucken?

Wir haben uns, wie viele Reisende, für die Woche ein Airbnb-Zimmer in einem Hochhaus mit Pool und Fitnessraum gegönnt. Mitten in Bukit Bintang (Berg der Sterne), einem Viertel dass vor allem für Edelboutiquen und Streetfood, z.B. in der „Jalan Alor“ bekannt ist.

Für 23 Euro die Nacht, im 13. Stock, mit Blick auf den Fernsehturm von KL und direkt vor einer Baustelle. Die Wohnung war klein aber fein und vor allem mit einer Klimaanlage ausgestattet. “Täglich mindestens einen halbe Stunde Yoga”, sagte Indika und so schwang ich mich täglich in den Fitnessraum und grüßte die Sonne. Aber das Beste war, dass mir Madeleine in der Zwischenzeit Frühstück machte. Ach das Leben ist schön. Den Pool haben wir nicht genutzt. Er war etwas klein, nach 18 Uhr herrschte Planschverbot und mit 1.26 m Tiefe war das Hechtbecken mehr ein Fußbad als ne Schwimmstrecke für Fitnessjunkies like me ;).

Ein erschreckender Blick in die Zukunft

Habt ihr „1984“ von George Orwell oder „The Circle“ von Dave Eggers gelesen? Das abgefahrenste an unserer Unterkunft war die Gesichtserkennung, die uns anstelle von Schlüsseln oder Chipkarte den Eingang in das Haus gewährte. Gut, das Gesicht kannste auch nicht verbummeln, dennoch macht diese Technologie mir manchmal ein paar Bauchschmerzen. Wir leben immer mehr in einer gläsernen Welt mit all den Überwachungskameras, Kreditkartenzahlungen, Fingerabdrücken und PayPal. Vor allem auch, weil mich das olle Ding auch nicht immer erkannt hat und ich zwei Mal in einem dunklen Aufzug endete.

Der „moderne/wohlhabende“ Mensch hat sich angepasst. Gegen die extreme Hitze leben die Menschen hier in stationären und beweglichen Kühlschränken. Das Tag startet in einem klimatisierten Heim, dass durch die Tiefgarage in einem klimatisierten Zweitauto verlassen wird, um zur Arbeit, die Schule oder ein Café zu kommen. Wahlweise kühlen auch Bahn, Metro und Bus die Menschen auf Polargrade runter, um dann die kommenden drei Meter zur Mall (Einkaufszentrum) in langen Hosen unverschwitzt zu überstehen. Was in Sri Lanka noch der Flip Flop ist, Abkühlung über die Füße, ist hier die Liebe zur Klimaanlage.

In den ersten drei Tagen waren wir schon in drei verschiedenen Malls, ohne uns wirklich aus unserem Viertel hinauszubewegen. Es reihen sich Mall an Mall, riesige Gebäude nach oben oder auch unter der Erde, voller Geschäfte und die Berjaya Times Square-Mall beinhaltet sogar einen Freizeitpark mit Achterbahn im fünften Stock. Mall-laysia eben.

So und wie gefällt es mir nun in dieser Stadt?

Ich gebe zu ich brauchte einen Moment um „warm“ zu werden mit dieser heißen Betonwelt, doch als wir mit Chelsea nach dem Besuch den Batu Caves in einem Banana Leaf Restaurant essen waren, war ich erstmal hin und wech und konnte die Schönheit in den Gegensätzen sehen.

Ich genoss es, mit Chelsea im klimatisierten Auto von Café zu Café kutschiert zu werden und war damit angekommen und er Lebensweise der Wohlhabenden vor Ort. Ich bin – naja war – kein Fan von Klimaanlagen, zum einen verteilen diese Viren und Bakterien und zum andern sorgen sie schnell mal für einen ordentlichen Schnupfen. (Diesen hatte ich mir gerade auf dem Flug von Colombo nach KL eingefangen) Doch bei diesen Temperaturen sah auch ich keinen Ausweg mehr, als wie alle anderen von einem klimatisierten Raum zum anderen zu gelangen, um abzukühlen und frisch zu starten.

KL ist ein Schmelztiegel der Nationen, was sich unter anderem in einem breiten Essensangebot widerspiegelt. Dabei kann ich nicht sagen, wann ich malaysisches oder chinesisches Essen auf dem Tisch hatte, nur beim indischen Essen war klar, (m)ein Traum.

In Chinatown sind wir mit Chelsea in einem einfachen Straßenrestaurant essen gewesen. Sie bestellte und wir staunten über die Kombinationsfreude in den Gerichten. Oktopus mit Leber, Fisch mit Hühnchen und fast alles badet in Soyasoße. Ansonsten konnten wir Chinatown nicht so viel abgewinnen, ein Ort voller roter Lampions, unter denen den Tourist*innen Handtaschen, Parfüm und andere Billigwaren verkauft werden.

Ein to do für Besucher*innen von KL ist der Besuch der Batu Caves. Die Batu Höhlen sind vor allem durch Instagram und Fotos der über 270 bunten Stufen zur Höhle und der goldenen Statue vor dem Eingang bekannt geworden. Anders als bei einem Fotomotiv für Instagram handelt es bei diesem Ort um eine religiöse Stätte der Hindus mit Schreinen und Tempeln. Bauten des Hinduismus begegneten uns schon in Sri Lanka sanft, ruhig und farbenfroh. Ein reales Highlight für viele der Batu Caves sind – leider – die vielen Affen auf den Treppen und in den Höhlen. Ohne Scheu und mit einer Selbstverständlichkeit springen sie über Menschen und Treppe, entreissen den Menschen ihren Blumenschmuck oder werden für ein Foto von den Tourist*innen gefüttert. Ich halte es immer noch mit Respekt zu diesen unberechenbaren Kreaturen, die hemmungslos auf dem Altar von Shiva korpulieren, aufgeregt durch die Höhle jagen und mich vor sich her scheuchen. Es handelt sich bei diese Affenart um Javaneraffen, die laut Wikipedia „in der Global Invasive Species Database werden sie zu den hundert schädlichsten invasiven Neobiota weltweit gezählt.“ So So. Aber leider wurden sich auch immer wieder für Tierversuche missbraucht.

Unerwarteter weise trafen wir in den Höhlen auch auf Hühner und Hähnchen. Doch warum? Was haben diese Tiere in und vor der Höhle verloren? In wie weit gehören sich zum Glauben oder was ist ihre Funktion? Kannst du das mal recherchieren? 

Vorrangige Religion in Mall-laysia (ja ich muss hier mal meine Namenskreation promoten) ist der Islam. Anfänglich war es für mich schwer die Moscheen zwischen all den Hochhäusern zu erkennen, doch es gibt sie. Ich tut mich mit Religionen, insbesondere dem Islam, schwer versuchen sie doch die Freiheit der Menschen einzuschränken. Doch ich merke immer mehr, dass dieses Bild zu eindimensional ist und ich mich noch mehr und aus verschieden Perspektiven mit dem Thema Religion in ihren Spielarten beschäftigen muss. Bei dem Besuch der Jamek Moschee, einer der ältesten in KL, mussten wir wie in Istanbul unseren Kopf bedecken und ein Hidschab tragen. Doch anders als in Istanbul hatten wir hier 35 Grad und spürten die Hitze unter dem Kleidungsstück. Ein Unding dachte ich… doch für Kinder und Frauen, die es gewohnt sind, die sich darüber definieren und definiert werden, ist ein Hidschab vielleicht mehr als eine Kopfbedeckung. Ich sollte das mal genauer erfragen. 

Und dann waren wir ja noch in einem Chinesischen Tempel. Chelsea stellte uns den altbekannten Matchmaker (heute heißt das Tinder oder Elite Partner) vor und führte uns durch einen Garten mit Sternkreiszeichen des Chinesischen Kalenders. Irgendwie finde ich den chinesischen Kalender mit all seinen Tieren (Ochse, Tiger, Schlane, Ratte, Hase….) schon ein wenig witziger als den unserigen (Jungfrau, Wassermann, Schütze…), doch beiden gleich sind Zuschreibungen, die man glauben kann oder nicht. Madeleine fand raus, das sie im Jahr des Hahnes geboren ist und auch ich dachte anfänglich, dass ich ein Hähnchen sei. Doch da der chinesische Kalender oft erst im Februar beginnt, musste ich feststellen dass ich doch ein Affe bin.

In den Gesprächen mit Chesea begann ich mein Bild zu diesem Land zu erweitern. Sie, eine chinesische Malaysier*in, mit finanzkräftigen Eltern und mehreren Wohnungen, haben ihr eigenes Lebenssystem, dass so wie sie sagt, auf viele Familien mit chinesischen Background zutrifft. Sie sprechen drei Sprachen, sind hoch gebildet, ein Studium im Ausland ist eher Normalität als ungewohnt, sie fliegen lieber, als mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren und sie bewältigen die Moderne (das knallharte Leben am Smartphone) mit Leichtigkeit. Junge Menschen leben bis zur Hochzeit bei ihren Eltern und obliegen damit auch den Regeln dieser (ganz egal, ob sie zuvor die Welt bereist haben..) hier in KL ist Chelsea dann aber wieder nur die Tochter der Familie und damit gelten andere Regeln. Die Familie bestimmt mit in der Partner*innenwahl und schabt damit nah am Rassismus. Wie die Geschichten wohl von Menschen klingt die einen indischen Background haben?

Fazit: Kuala Lumpur ist eine Stadt, die ihre Faszination verbirgt. Wer allerdings mit Fragen und Neugierde kommt, kann sich hier in eine wunderbare Auseinandersetzung begeben und noch mehr Fragen finden. Vorausgesetzt sind der Wille Antworten zu finden und auch mal zu Recherchieren, Auszuprobieren oder bei Einheimischen Nachzufragen. Für mich hat die Stadt durch die Treffen mit Chelsea gewonnen, doch dahinschmelzen würde ich für sie nicht.

Anpassungswunderige Madeleine nach einer ungeschlafenen Nacht im Flieger von Sri Lanka nach Malaysia.

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