Istanbul

So richtig überzeugt war ich nicht von dem Gedanken den zweiten Teil der Reise mit Istanbul zu beginnen, doch jetzt denke ich, was für ein genialer Schachzug. Istanbul, die Stadt die auf zwei Kontinenten liegt als Sprungbrett unserer Asienreise. Gefällt mir 🙂

Von Erwartungen und ihren Irrwegen

Wieviel Erwartung ist gut? UND was ist Erwartung eigentlich? UND was kommt eigentlich danach?

Für Istanbul im Winter und hatte ich uns eine, für unsere Verhältnisse, etwas teurere Unterkunft gebucht. Mitten in der Altstadt, mit einem guten Ranking on Booking, einladenden Bildern und Frühstück. Sicherlich, es gab auch weniger gute Bewertungen im Netzt zu diesem Hostel, doch oft denke ich (oder hoffe ich), dass diese von sehr abgefahrenen Menschen verfasst worden sind und somit an der Realität vorbei schrappen. In der Realität lud mich unser Hostel (das Cheers Ligthhouse) ein, mal wieder über meine eigenen Ansprüche und Erwartungen nachzudenken und zum Anderen kreativ zu werden.

Der erste Eindruck war leider kein Guter. Ich hoffte auf ein größeres Zimmer, sauber, modern, mit Aussicht, hell und warm. Nach dem Einchecken unter der Treppe, zeigte uns der Mensch an der Rezeption den „Gemeinschaftsraum“/ Bar / Frühstücksraum/ Restaurant mit Blick auf das Meer. Danach ging leider nicht nach oben sondern wieder raus auf die Straße und in ein Haus auf der gegenüberliegenden Seite. Dort bekamen wir das Zimmer gegenüber vom Eingang, kleiner, etwas runtergerockt, mit einem winzigen Bad und Fenster zum Hof. Nee das ging für mich garnicht… ich war sauer und maulig. Für mein Geld hatte ich mehr erwartet.

Ich brauchte ne Zeit um mich wieder einzukriegen und klarer zu sehen, um zu erkennen was da ist, statt dem was fehlt. Es gibt ein Zimmer nur für uns, mit Fenster, großem Bett und gerader Matratze, dazu ein eigenes Bad, relativ gut funktionierendes Internet und keinen Tieren im Bett. Madeleine hat nach Spielerei mit der Klimaanlage auch Wärme in die Bude bekommen und mit einem Handtuch das klappernde Bette repariert. Na also! Doch den finalen Touch gab es durch den Film Club Las Piranjas, im Vergleich damit wohnen wir hier sehr gediegen und friedfertig.

Heute früh gabs „drüben“ Frühstück mit dem Blick auf das Marmarameer, vor dem Fenster spielten zwei Katzenkinder in der Sonne und innerhalb von sechs Minuten standen wir zwischen Hagia Sophia und Blauer Moschee, bereit für einen Freewalk. 

Fazit: Ich kann bei Hostelbuchungen auf ein paar mir wichtige Details achten und hoffen, doch am Ende ist es auch immer ein Überraschungspaket. Was dann hilft ist Gelassenheit, die Frage “was kann ich für mehr Gemütlichkeit beisteuern (mach ich zu Hause ja auch) und wenn nix mehr geht, einfach nochmal Club Las Piranjas gucken. 

Wer und was uns sonst noch so begegnet ist.

Immer wieder diese freundlichen Menschen….

Wenn ich mir die (gesellschafts-) Politik von diesem Land angucke, dann wäre auf einen Besuch eher zu verzichten, doch auch hier musste ich feststellen, dass die Türkei mehr ist als ihr politischer Anführer, die Religion oder konservative Traditionen. Die Menschen, die wir trafen begegneten uns immer wieder freundlich. Waren es die Frauen im Hamam, der Verkäufer bei unserem Lieblingsimbiss (der uns schon beim zweiten Mal erkannte und wußte, was wir wollen) oder der Mensch in der Post. Klar wir fallen auch auf, wenn wir wie die Heringe in der Post rumsitzen und glotzen. So wurden wir erst nett rangewunken, uns unsere Postkarten entnommen und mit zwei Briefmarken plus Prittstift zurückgegeben. Warum der Klebestift? Keine Ahnung, vielleicht gabs schlechte Erfahrungen mit der geschmacklichen Ausrichtung der Marken bei Europäer*innen. 

Wie oft wir in einer Moschee eigentlich gestaubsaugt? 

Wir haben uns für unseren Moscheebesuch, weder die Hagia Sophia (ist auch eher ein Museum) noch berühmte Sultan-Ahmed-Moschee/Blaue Moschee (zu viele Tourist*innen in Schlangen) ausgesucht, sondern sind in die Süleymaniye-Moschee, auf dem dritten Hügel der Stadt, gegangen. Zum einen war es dort wesentlich ruhiger und zum anderen hat man einen wunderbaren Blick über die Dächer und Kuppeln von Istanbul. 

Ohne Schuhe und mit Schal um den Kopf drapiert betraten wir die Moschee. Was als erstes auffiel war ein riesiger Raum unter der Kuppel, tief hängende Kronleuchter und ein roter Teppich, der den ganzen Raum in ein warmes und friedliches Licht tauchte. Eine Mitarbeiter*in tauchte auf und meinte wir können ihr Fragen stellen, zur Moschee oder zum Islam. Das schien mir zu groß, also fragte ich erstmal nur wie oft in der Moschee der Teppich gesaugt werde. Darauf hatte sie leider keine Antwort. Aber welche Fragen zum Islam könnte ich stellen, die nicht gleich die große Kritiker*in in mir zur Schau stellen und auch in wenigen Sätzen eine Antwort finden könnten?

“Excuse me, I want your money!”

Ehrlich und vor allem Offensiv begegneten uns die Verkäufer in und rund um den Gewürzmarkt dieser Stadt. Allein beim Vorbeigehen oder einem flüchtigen Blick auf die Auslage angesprochen zu werden ist eher ungewohnt und ein wenig unangenehm für mich. Ich mag es auf eigene Faust die Angebote zu erkunden. Erstmal nur gucken! Dann Sattsehen und wenn mir dann etwas gefällt, dann Nachfragen. Warum ist das bei mir so? Hier und heute und mit dem Wissen, dass ich eh nix kaufen werde, kann ich diese Verkaufsstrategie mit Humor nehmen. Ich bin vielmehr überrascht über die Diversität der Sprüche (wobei ich noch nicht verstanden habe, warum ich bei den Satz “I love you” mehr Fisch kaufen sollte, wenn ich doch schon sagte, dass ich keinen will), die genutzen Sprachen und die Beharrlichkeit der Menschen.

Hamam

Es war ein großes Vorhaben, aber auch ein bissel Angst vor dem Unbekannten. Klar war, wir wollten beide mal ins Hamam, haben aber auch beide keine Ahnung wie das Prozedere so abläuft. Madeleine hat mal wieder ihre Rechercheskills walten lassen und uns abseits der Tourist*innenwege und entfernt von Summen wie 40-160 Euro ein kleines feines Hamam in der Nachbarschaft von Üsküdar rausgesucht.

Etwas unbeholfen betraten wir das Hamam Tarihi Valide Atik Hamamı. Eine super liebe Frau am Empfang begrüßte uns auf türkisch und erzählte uns – so denken wir – was hier alles möglich sei. Wir nahmen Sauna, Schrubben und Seifenmassage, dazu mussten wir noch einen Schrubbhandschuh erwerben, den wir am Ende sogar behalten konnten.

Nach dem Umkleiden führte sie uns – jeweils ohne Brille – in das Bad. Im ersten Raum wurden gerade zwei Damen ordentlich eingeseift, während andere zuschauten. Wir wurden in den zweiten Raum geführt, wo wir auf dem Marmortisch und der Mitte des Raumes platz nehmen sollten. Ein großer heißer Raum, in der Mitte ein Marmortisch und an den Seiten Steinbänke mit Wasserbecken und Schöpfschalen. Der Raum erstreckte nach oben zu einer Kuppel, durch deren Löcher Tageslicht hineinschien. Wenn du die Augen zugemacht hast, dann hörtest du wie die Damen sich unterhalten, mit Wasser spritzten und wie die laufenden Wasserhähne ständig die Becken füllten. Ein Eindrucksvoller Raum.

Anfangs saßen wir noch unbeholfen in der Mitte des Raumes rum und begannen zu schwitzen. Wir hatten uns das Ganze schon so weit erklärt, dass wir erst auf Temperatur kommen müssen, bevor es zum schrubben ging. Aber werden wir dann geholt? Geht man da hin? Muss ich ne Nummer ziehen?

Irgendwann bin ich wieder in den Vorraum gegangen und wurde auch sofort von der kleinen Waschfrau erkannt und auf eine Wartebank geordert. Somit konnte ich mir den Prozess mal anschauen. Heujeujeu… zimperlich gehts da nicht zu und Berührungsängste werden dort auch unter den Tisch gewaschen. Nach einer Weile war ich dann dran. Ich gab ihr meinen Schrubbelschwamm und wurde bäuchlings auf den Tisch geredet. Dann ging los, erst die eine, dann die andere Seite. Arme, Hände und Gesicht. Dann wurde die abgerubbelte Haut abgeduscht und die Seifenmassage begann. Ich bin ja nicht so die Freundin von Massage, aber das muss ich sagen, hat mir gefallen. Nach mir war Madeleine dran, doch wenn diese 1,84 Meter große Frau halb nackt vor einer 1,50Meter großen üppigen Waschfrau steht, dann ist das schon ein Bild, dass den gesamten Raum zum freudigen Lachen bringt.

Für ein nächstes Mal würde ich mir einen eigenen Schrubbelschwamm, einen Waschlappen sowie Haar und Körperseife mitnehmen.

Ein süßes Land

Wir wollten auch kulinarisch auf Entdeckungsreise gehen und so haben wir eine kleine private Foodtour durch die Stadt gemacht. Richtig begeistert waren wir vom Urfa Dürüm bei Dürümcü Mustafa in der Nähe des großen Basar. Dieser Ort war gar kein Ziel, aber eine Traube von glücklich wirkenden Menschen vor einem Grill machte uns neugierig. Es schmeckte ziemlich gut, dazu gab geröstete Chilis und einen großen Becher Ayran. Das Gebäckteilchen süß sind, kenn wir ja schon aus Mittelamerika, doch in der Türkei ist es ein klebriges Sirupsüss, gern noch in Fett ausgebacken und für die verspielen unter uns, in allen Formen und Größen. Weniger auf der Suche nach was süßem, wollte ich wissen was den dieses Salep ist, was über all in der Stadt in großen Samowaren angeboten wird. Im Velvet Cafe unter dem Galata Turm hab ich dann eine gezimtete Tasse dieses Milch, Zucker Orchideenpulvergetränks gekostet. Bitte nachmachen!

Die Mutter einer Nation

Ob meine Eltern wußten, dass sie mich mit dem Namen „Anne“ zur Mutter aller türkischer Kinder gemacht haben? Anne heißt im türkischen Mama/Mutter. Das Kinder meinen Namen hier und da rufen, damit kam ich noch klar, aber als der Migrationsbeamte auf dem Flughafen, der einfach nur meinen Pass abstempeln soll, mich mit Hinweis auf die Bedeutung meines Namens mehrfach beim Namen nennt und grinst ist schon sehr komisch.

Ein schöner Einstieg in die Reise und ich komm auch gern nochmal zurück, doch dann im Frühjahr oder Herbst.

Ausgaben:

  • Flug (HH nach SG): 104,48 Euro
  • Unterkunft (4Nächte): 113,84 Euro
  • sonstige Ausgaben: 112,43 Euro
  • macht einen Tagessatz von 41,34 Euro p.P. (ohne Rückflug)

Comments

Ullimanulli
Januar 27, 2020 at 12:03 pm

Sieht ja wirklich sehr lecker bei euch aus.
Musste bisschen über “Einzel als Doppel oder Doppel als Einzel?” lachen, aber es ist einfach ein zu wunderbarer Reisefilm. Danach weiß man, was man hat!
Habt ihr es weiterhin ganz schön, Liebe Grüße



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