Die Luft ist raus…..

na ja das ist vielleicht ein wenig drastisch gesprochen, wenn ich auf die gesamte Reise schaue, doch für einige Momente der letzten Tage kann ich das schon so sagen. Es ist halt kein Urlaub den wir hier machen, wir Reisen und das bald acht Wochen am Stück und das strengt auch an.

Es ist die siebte Woche und auch schon in der letzen Woche unserer Zeit im Auto wurden die Tage zäher und anstrengender. Temperaturen um die 17 Grad, Regen, wenig Abwechslung und Auslauf drückten meine Stimmung. Auch in Quebec veränderte sich das Bild nur wenig. Die Stadt und ich haben nicht zusammengefunden und das aus verschiedenen Gründen: Ich denke ich bin gerade etwas Kanada-satt und sehne mich nach Abwechslung, etwas ‘Horay’ von Aussen, etwas mehr Handlungsspielraum und gleichzeitig Ruhe. Vielleicht bin ich auch nur voll an Bildern und Erlebnissen der letzten Wochen und merke, wie mein Kopf sich gegen mehr NEUES wehrt, da das Erlebte noch keine Bearbeitung gefunden hat.

An dieser Stelle würde ich wahrscheinlich nach “Hause” kommen von einem langen Urlaub. Eintauchen in eine Welt der bekannter Abläufe, dem Austausch mit Familie und Freunden über das Erlebte und mit Hilfe von Zeit, Routinen und Stress mich auf neue Abendteuer entfernt von “zu Hause” freuen.

Quebec 19.-22.08.2019

Quebec ist eine sehr touristische Stadt mit dem Fokus auf die Altstadt, das Schloß Frontenac, gutes Essen und einem Sehen und Gesehen werden. So kam es mir jedenfalls vor. Wiedermal spielte sich das Thema Geld in den Vordergrund und machte deutlich, wie sehr wir ausserhalb der Möglichkeiten gleichberechtigter Partizipation mit unserem Umfeld leben. Das frustriert. Einfach mal wie alle Anderen ins Restaurant gehen und sich den Bauch vollschlagen, ein Glas Wein trinken oder ein Eis gönnen. Da wir nicht im Urlaub sind, sondern mit einem bestimmten Budget pro Monat auf unbestimmte Zeit reisen und das in einem ziemlich teuren Land, heißt das für uns Einschränkungen. Anfänglich war das alles noch ein Abenteuer, doch gerade jetzt wünsche ich mir etwas mehr Luxus.

Ein Moment unglaublicher Freude.

Oh man, dass ich das mal sagen würde, hätte ich auch nicht gedacht. Dieser Aufschrei klingt so falsch in meinen Ohren, vor allem weil ich schon alle meine Privilegien (Europäer*in, weiß, mit Geld zum Reisen, Gesundheit, etc.), mit der Reise ausspiele und freiwillig in dieses Land gereist bin. Wir gönnen uns hin und wieder auch mal den Luxus und von einem Burger mit Pommes (Poutine) und einem Getränk und dann sind das soooooo gute Momente. Essen macht so viel aus, kann das Leben versüßen und lenkt von so viel anderem Chaos ab.

Aber auch zwischen Madeleine und mir gibt’s immer wieder Spannungen, die die Gesamtsituation noch herausfordernder machen. Aus dem „NICHTS“ erschaffen wir Distanzen, Verunsicherung und Traurigkeit. Da gibt es dann auch keine Worte mehr oder Fragen, da zieht sich jede in ihr Schneckenhaus zurück und das wars. Diese Momente können so dermaßen anstrengend sein. Da lebst du den Traum vieler Menschen und über dir hängen graue Gewitterwolken, die den Blick auf das was vor der Tür ist versperren.

Save and Sound in meinem Schneckenhaus habe ich dann die Zeit genutzt ausstehende Blogartikel zu schreiben. Ein Versuch mich wertvoll und produktiv zu fühlen, doch damit habe ich auch bewußt auf weitere Entdeckungstouren durch Quebec verzichtet. In solch einer Stimmung kann die Stadt auch nicht gewinnen und wird zum Durchgangsort, dabei habe ich dort auch sehr schöne Momente gehabt. Die Stadt gewinnt durch ihre Altstadt mit ihren Gassen und einer entspannten Gemütlichkeit. Jeden Abend werden einige Straßen der Innenstadt gesperrt und dann beginnt das Leben zwischen Restaurants, Kindern die durch Brunnen laufen, Popcornläden und Schaustellern. Du kannst von Platz zu Platz laufen und findest immer irgendwen mit darstellerischem Talent.

Popcorn scheint auch ausserhalb von Kinositzen in Kanada sehr beliebt zu sein und so gibt es ganze Läden wo nur Popcorn, in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen verkauft wird. Wir haben es mal mit einer kleinen Tüte Popcorn Quebec-Style versucht. Da drin sind zwei verschiedene Sorten Chedda und ein Anteil mit Ahornsirup. Was ne Kombi aber irgendwie auch geil.

Montreal 22.-26.08.2019

Auf dem Weg nach Montreal, mitten im Bus, hatten Madeleine und ich dann die überfällige Aussprache. Schön öffentlich mit Tränen und Schnoddernase und auch wenn es uns sehr gut getan hat, so ist das weniger zum Nachahmen empfohlen oder als Reisetipp zu verstehen. Anyway, in drei Stunden von Quebec nach Montreal mit dem Orléans Express kann nach einem Gewitter auch wieder die Sonne rauskommen und so buchten wir am Ende der Reise auch gleich unser Hostel für Mexiko. Bei dem Thema Mexiko gehen wir gerade total ab, freuen uns sehr drauf und realisieren damit mal wieder, dass wir garnicht mehr so sehr hier sein wollen. Ja es reicht uns, wir würden gern – und wir wissen wie bekloppt das klingen mag – Weiterreisen. Doch leider geht das nicht, da wir uns ab Montag den 26.08.2019 für zwei Wochen für einen weiteren Farmstop verdatet haben. Konnte ja niemand wissen, dass mal ein Kanadakoller kommen könnte, doch auf der anderen Seite ist das eine Erfahrung, die wir bei unseren weiteren Planungen definitiv berücksichtigen werden.

Montreal ist viel größer als Quebec und schon bei der Einfahrt in die Stadt wird deutlich, dass es hier mehr zu sehen gibt. Madeleine hat uns in das Bishop Hostel Downtown eingebucht. Für 28Euro (und das ist echt preisgünstig) die Nacht in einem 15Menschzimmer. Das bedeutet fünf Dreistockbetten auf 35Quadratmeter, die nicht quietschen sollen. Industriecharm der besonderen Sorte.

Die Nächte in dem Hostel waren wenig erholsam, die erste Nacht liefen ständig Menschen rein und raus und ließen die Tür ins Schloß fallen, eine andere Nacht verlebten wir in einer ordentlichen Knoblauchwolke mit geschlossenen Fenstern und die letzte Nacht sägte jemand lautstark an den Grundmauern meiner Menschenfreundlichkeit.

Die Tage dagegen war wunderbar. Schon am ersten Abend verfielen wir dem Genuss indischen Butterhühnchens bei den ‘Spicebros’. Man nehme ein Naanbrot mit Knoblauch, dazu Hühnchen und eine Buttercurrysoße, verschiedene Gemüse und Soßen, rolle das ganze und fertig ist ein Gaumenschmauß. Doch das Beste war der Moment als der Spicebro hinterm Tresen uns fragte „Und was noch?“ Es ging nur um die Auswahl des Gemüses, aber gefragt zu werden, was wir noch auf dem Brot haben wollten stand so konträr zu dem „Das nicht!“ unserer kulinarischen Zeit in Kanada. Und dann der Geschmack. Keine Ahnung warum aber ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal in Deutschland so auf den Geschmack von Essen abgegangen bin! Das erste Mal war es bei Blaubeermuffins in Halifax, dann ein Burger in Quebec und nun die Franky Rolle in Montreal. Es war einfach unglaublich gut, der Geschmack, der Moment, die Fülle… hmmmm.

Montreal biete seinen Gästen so viel zu sehen, ohne dass wir Eintritt zahlen mussten, sogar eine Babieausstellung hätten wir uns ansehen können. Wir jedoch entschieden uns für das Mode&Desin Festival mit seinen Dance Battles und Jazzablett Aufführung, für lateinamerikaniche Tanzeinlagen im Jardin Gamelin, für die Kunst die überall in der Stadt verstreut steht sowie allem was hinter der nächsten Ecke auf uns wartete.

Montreal war auch ein Ort an dem wir uns sehr langsam bewegt haben. Die Vormittage haben wir oft im Hostel verbracht, schreibend, lesend, sitzend und vor allem in Recherche zu Mittelamerika. Wir haben Feuer gefangen für die Idee von Mexiko und einer möglichen Reiseroute. Es geht dabei um die Frage nach dem nächsen Ort, Hostel oder Airbnb, Sprachschulen oder anderen Aktivitäten. Zwischendurch haben wir uns sogar schon in Kuba und der Dominikanischen Republik gesehen, doch diesen Plan auf später verschoben, dann wenn auch ich mehr Spanisch spreche, bzw. verstehe. In der Zeit waren wir auch schon im losen Kontakt mit unseren Farmladies, die uns am Montag aus Montreal abholen wollten. Soviel wussten wir und der Rest sollte folgen. Da wir allerdings erst sehr spät von ihnen hörten, spannen wir zwischenzeitlich schon einen Plan wie wir auch früher nach Mittelamerika hätten reisen können.

Hier von der Farm kann ich sagen: Gut, dass wir noch nicht in Mexiko sind, denn es ist echt schön hier in Kanada. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Von Halifax nach Quebec

August 22, 2019