Von Halifax nach Quebec

Am 05.08.2019 holten wir von Flughafen unser zweites Auto. Es wurde wieder ein Toyota Sienna und wir tauften ihn Mr. Mice – er war doch so schön grau. Als erstes muss ich sagen, dass was uns hier am meisten fehlt ist unser Teppich. Für die zwei Wochen, von Halifax nach Quebec haben wir uns nur Verpackungskartons aus dem Walmart als Begradigung der Liegefläche gegönnt und dass war schon ‘ne harte Sache. Da wir den Typ des Autos schon kannten, haben wir es natürlich wieder so eingeräumt wie wir es aus der Zeit mit Ms. Jackson mehr als praktisch fanden. Dazu gehörten auch unsere Shoppingabläufe und so besuchten wir Candaian Tire für den Gaskocher, No Frills für das gute Günstige und natürlich einen Walmart für das Grundlegende. Es war schon später Nachmittag, als wir unsere Tour von Halifax nach Quebec starteten. Auf dem Plan standen Atlantik, Hummer essen, Cape Breton und Gaspésie.

Von Halifax aus ging es erstmal nach Süden zum „berühmten“ Leuchtturm von Peggy Cove. Leuttürme hatten wir bis dato schon einige gesehen. Sie sind hier oft weiß mit roter Mütze und ziemlich klein. Und eigentlich wollte ich garnicht so viel Tourikram, doch die Gegend und der Ort strahlten etwas idyllisches aus. Zudem waren die meisten Touristen schon weg und wir hatten Platz und die untergehende Sonne vor Augen. Weiter ging am Meer entlang und dort begann mein zweiwöchtenliches Mantra eines; „Ist das schön hier!“. War es auch 🙂

Die erste Nacht verbrachten wir bekanntermaßen beim Walmart, um am nächsten Morgen nach Lunenburg zu fahren. Wieder so ein Ort für Tourist*innen und alles was blieb war die Erinnerung an eine ziemlich saubere Toilette. So, eigentlich wollte ich noch südlicher fahren, doch anders als in Ontario besteht die Straße in Nova Scotia vorwiegend aus Kurven und (na warum auch nicht) aus Löchern. Aus diesem Grund machte Madeleine den Vorschlag in der Mitte abzukürzen. Gesagt getan. Noch etwas (zu den 15%Steuern, statt 13% wie in Ontario) war auf Nova Scotia anderes: Es gab keine Seen, bzw. keine (keine für uns) Zugänge. Damit mussten wir in Punkto Körperhygenie etwas umdenken. Aber dazu später. 

Auf der anderen Seite der Insel empfing uns Annapolis Royal. Ein Städchen, dass sich durch folgende Geschichte in unser Herz stahl: Bei Ankunft fanden wir ein ausgestorbene Hauptstraße an einem Flussarm der Bay of Fundy vor. Wir parkten direkt vor der City Hall und der Polizei, eher sehr prominent für ein heimliches Übernachten, doch wie sich rausstellen sollte, ein Platz wo das „Verbrechen“ zu letzt erwartet wird. Wir erkundeten die „Stadt“, dabei trafen wir vor einem Theater einen unterhaltsamen Mann, der uns den Film des Tages (Dienstags ist Kinotag) plus Popcorn ans Herz legte. Wir lehnten dankend ab und beobachten, wie ein einzelnes Haus in einer sonst leeren Straße zu leben begann. Warum auch immer, doch unsere Weg durch die Stadt brachte uns zu einem NSLC-Laden. Das sind die Läden, in denen in NS Alkohol verkauft werden darf. Wir beschloßen Wein zu kaufen. Nach all dem Hin und Her mit der Weinfarm, unserer solidarischen Abstinenz mit dem Vater und den unverschämten Preisen, passte diese Idee genau in diesem Moment in diese Stadt. Im Laden begangen wir ein Gespräch mit der Verkäufer*in über Preise und Schnäppchen (übrigens ein Bier -Dose 0,5- kostet 3,99CAD) und später dann auch über Wein. Ich habe ihr mein Wissen über Wein untergejubelt und durch sie wurde mir bewusst, dass wir den Wein, für den wir uns nach langem Hin und Her entschieden haben, ja garnicht trinken dürfen. Hier in Kanada ist Alkohol trinken an öffentlichen Orten verboten, nur in deinen eigenen vier Wänden oder in Restaurants oder Bars. Toll und wo sollen wir dann diesen Wein genießen dürfen? 

Verpackt in ein braune Papiertüte schmuggelten wir den Wein zum Auto, holten einen Teebecher, unsere Pirogie und schlichen ans Flußufer. Mit ganzem Köper verdeckten wir – alles super unauffällig – unsere Umfüllaktion von Flasche in Becher und genossen dann, den billigsten Rotwein aus Chile, den es an diesem Ort gab, für 11CAD. Danach schlichen wir noch durch ein altes Militär Fort, entdeckten einen Waschraum (ohne Seen und Walmart wird ein Waschraum zu einer Schatzinsel) und verkrochen uns ganz ganz leise im Auto vor der Polizei. Am nächsten Morgen frühstückten wir auf dem Kai mit Blick auf den Wochenmarkt, dem wir im Anschluß noch einen kleinen Besuch abstatteten, bevor wir im „Valley“ wieder Richtung Norden fuhren. Ziel war an diesem Tag war zum einen der Trail am Cape Split sowie eine lange Pause für Mittag, Entspannen und Schreiben.

Im Auto durch das Land reisen, kann schnell zu einem Schrubben von Kilometern werden, bei denen die ersten 150km noch Genuss bedeuten, doch irgendwann kann es kippen und dann ist in einem kleinen Auto wenig Platz für individuelles Handeln. Somit war es immer mal ein Ziel, darauf zu achten, dass wir ausgeschlafen, gesättigt und ungestresst reisen. Gegen 18 Uhr erreichten wir Cape Split, ganz in der Nähe der Farm auf der wir die Woche zuvor gearbeitet hatten. Leider hatte ich mich zu wenig informiert, z.B. über die Länge des Trails und so wurde aus einer entspannten Wanderung ein 13km Sprint in 2,5 Stunden. (Mehr dazu unter Trails) Wir übernachteten in Kentville auf dem Walli. Madeleine erwärmte mit Blick auf die Uhr die Bolognese im Auto, so dass wir 7min. später noch das große Wallibadezimmer nutzen konnten, bevor wir ziemlich platt ins „Bettchen“ fielen. Wir haben während der zweiten Reiserunde, das ein oder andere Mal im Auto kochen müssen. Der Wind der Wind….

“Day by Day” verlief auch dieses mal die Planung und oft geleitet durch IOverlander und Maps me. Letzteres stellt Offlinekarten bereit und IOverlander, ist eine App auf der andere Reisenden kostenfreie Stellplätze in Kanada gepostet haben. Wenn klar war in welche Richtung es gehen sollte, recherchierte Madeleine die möglichen Plätze, wobei sie unzählige Feedbacks zu möglichen Plätzen durchforstete. Wo ist der Platz, von wann ist der letzte Post, wie kommen wir dorthin, kommen wir mit unserem Auto dorthin oder brauchen wir einen 4×4, wieviele Tonnen Moskitos gibt es und und und. IOverlander informiert manchmal auch über solche Sachen wie frei und warme Duschen (ich bin immer wieder überrascht, wie sehr wir eine warme saubere Dusche feiern können) sowie Waschsalons, schöne Picknikorte oder Cafes. Auf dem Weg nach Cape Breton fuhren wir nach Empfehlung zu einem dieser Cafes, die einen guten Hummer versprach. Keine Übertreibung, wir fanden ein kleines Cafe, mitten im Hafen eines kleinen Ortes mit dem Angebot „Hummerrolle mit Salat“ für 18CAD. Nicht günstig und ich wollte erst nicht, weil so teuer, doch Madeleine überredete mich und es war wirklich gut. Selbst Maddi aß von der Hummerrolle (Hummerfleisch in Brötchen) und fands gut. Manchmal ist es echt gut für mich etwas geschubst zu werden, ich hätte für mich was verpasst.

Cape Breton und der Cabot Trail 

Ich hatte ich Deutschland schon von dieser Panoramastraße – Cabot Trail – gehört und nachdem Kadija ebenso schwärmte war für mich klar, da will ich auch hin. Cape Breton ist eine Insel im Norden von Nova Scotia mit dem Cape-Breton-Highlands-Nationalpark. Es ist ein schöner Ort und die Aussicht vom Cabot Trail auf den Atlantik mit den Bergen und Küstenstreifen beeindruckt, doch irgendwie waren unsere Erwartungen andere. Nova Scotia hat soviel schöne Ecken und mir wurde nach dem Besuch nicht ganz klar, warum gerade dieser Ort noch toller sein sollte. Was ich mittnehme von der Reise in den Norden ist, eine lange Anreise mit vielen Eindrücken, einer der besten Freistehspots die wir auf unserer Reisen hatten und einem Trail im Gewitter. Am ersten Tag auf der Insel sind wir nur durch den Nationalpark durchgefahren und wollte oberhalb, im Norden, übernachten. Dazu hatte Maddi wieder einen wunderbaren Spot auf einer Klippe mit Blick auf den Atlantik rausgesucht. Einziges Risiko war der schmale und sehr ausgefahrene Zufahrtsweg dorthin. Normalerweise würde ich ja nicht, weil Leihwagen und Panik aus der Nummer nicht im guten rauskommen zu können und wer hätte uns denn Bitte dort finden sollen, aber ich tat es doch. Vor Ort trafen wir auf ein frankokanadisches Pärchen, dass dort ein Lagerfeuer machte. Es war alles sehr ungezwungen und nett, wir machten unser Essen, Sie ihrs, wir tranken den letzten Wein und am späten Abend setzten wir uns noch mit ans Feuer und unterhielten uns, auch über Politik.

Nach einem ausgiebigen Frühstück und Katzenwäsche über dem Meer, fanden wir endlich einen See und ich musst reinspringen. Es war auch der einzige See während unserer ganzen zwei Wochen Autoreise. Unter den 25 Trails die der Nationalpark im Angebot hatte, hat sich Madeleine einen der schweren Trails rausgesucht.

Na ja war kann schon passieren, die Kilometer hatten wir drauf, der Schwirigkeitsgrad war einen spannende Challenge und es war früher Nachmittag. Doch dann kam ein Anstieg, der es in sich hatte. Mein Güte haben wir gekämpft und geschwitzt, dabei war es garnicht doll warm. Endlich oben angekommen zog Nebel über den Berg und verbarg den ersehnten Ausblick. Wir waren umhüllt von Wolken, saßen in eine graue Suppe. Was so schnell aufkommt, kann auch schnell wiedergehen und so warteten wir etwas ab, aßen unsere Riegel und hofften. Doch was dann kam, war kein Ausblick sondern Donner. Wir nahmen die Beine in die Hand und sprinteten den Berg wieder runter. Doch drei Kilometersomething brauchen ihre Zeit und so erfasste uns das Gewitter. Einmal durchnäßen bitte. Es ist so schön zu merken, wenn dem Versuch Körperstellen vor dem Wasser zu schützen, eine Entspannung folgt mit dem Wissen nun eh nix mehr ändern zu können. Madeleine nutze die Chance und rannte nicht mehr um die Pfützen und Bächlein, sondern sprang mitten hinnein und das mit einer unsagbaren Freude. Es war nach dem ersten Erschrecken eine wunderbare Wanderung. (Siehe Franey Trail)

New Brunswick

Viel Weg lag vor uns und so machten wir uns auf den Weg. Erst Richtung Süden, mit einem kurzen Zwischenstop in einer Laundrey (New Glasgow) zum Trocknen und Waschen unserer Wäsche und dann weiter nach New Brunswick. Auf einen Abstecher nach P.E.I (Prince Edward Island) haben wir verzichtet, da uns die Brückenpassage (Confederation Bridge mit 13km Länge) an die 50CAD gekostete hätte. Einmal Brücke gucken war dennoch drin, doch beim Aussteigen fing es schon wieder an zu regnen und wir waren doch gerade erst etwas getrocknet. 

Für die Abwechslung auf dem Weg hat uns Madeleine einen weiteren Nationalpark rausgesucht den Kouchibouguac-Nationalpark. Point of Interest waren zum einen die kostenfreien warmen Duschen und zum Anderen bot der Park etwas Bildung zum Thema First Nations. Es ist schon etwas bezeichnend, dass viele Menschen aufgrund der Natur, der Trails oder des Strandes in den Park fahren, wir hingegen für das Gefühl durch den Eintritt die Berechtigung einer Anwesenheit zu haben. Auch bei dieser Tour mit dem Auto gab es immer wieder die Frage. Sind wir hier Willkommen? . Dürfen wir hier (über Nacht) stehen, unserer Zähne Putzen kochen? An dem Tag war alles erlaubt und so nutzen wir die Möglichkeiten und am Ende war sogar noch Zeit für Antesten des Atlantiks mit den Füßen.

Ich wollte immer Mal in den Atlantik hüpfen, doch am Ende fand ich immer auch einen Ausrede warum ich das nun gerade auch nicht will. Zu kalt, zu salzig, zu viele Algen, Strömung, keine heiße Dusche, keine kommt mit. So blieb es bei den Füßen und das war auch irgendwie ok.

Am Abend und am darauffolgenden Morgen haben wir bei zwei Angeboten des Parks teilgenommen. Einmal das Wigwam Gathering und zum anderen das Legends of the Night. Es war unglaublich gut, so viele Geschichten und Bilder von den Menschen zu bekommen, um die es wirklich geht. Woran glaubt die Mi’kmaq First Nations wie die Welt entstanden ist und wie klingt ihre Geschichte dazu? Eine herrlich Abwechslung in unserem Reisealltag und irgendwie auch ein Versöhnen mit Irritationen von der ersten Reise mit Miss Jackson. 

Nachdem wir New Brunswick im Norden durchquert haben, übrigens die einzige Provinz in Kanada die bilingual kommuniziert. 

 Gaspésie

Eine Halbinsel ganz im Norden der Province Québec und was soll ich sagen; Wunderschön. Immer am Atlantik lang verlief die Straße und was Québec besonders macht, es gibt ca. alle 10km eine ausgeschilderten Rastplatz mit Picknickbank und Klo. Jeder Rastplatz war anderes, mal verspielt mit Fischen, manche sehr praktisch durchdacht und zum Meer dreisitig geschloßßenen Fenstern, viele waren sehr bunt bemalt aber irgendwie alle sehr sauber und einladend. Unser erstes Ziel war Percé. Im Hostel in Halifax hatte Elise sehr von diesem Ort geschwärmt, somit musste ich dorthin. Perce ist ein ehemaliger Fischerort der sich nun ganz dem Tourismus verschrieben hat. Bei der Einfahrt sahen wir einen Promenadenstraße und viele viele Autos. Wie sehe der Ort wohl aus, wenn man mit einem Schnipp, all die Toruist*innen mit ihren Autos wegbeamen könnte? Wäre dann noch wer da? Wir hatten dennoch zwei wunderbare Stunden in der Stadt, zum einen weil wir ein Parkticket mit Platz geschenkt bekommen hatten und zum Anderen weil wir in eine Boulangerie einkehren konnten. 

Übernachtet haben wir an diesem Abend direkt am Meer, genau so wie viele viele Mücken. Und ich kann sagen, ich bin echt am Ende meiner Geduld und Tierliebe, diesen Wesen gegenüber. Ohne Vorwarnung greifen sie an, flächendeckend und von allen Seiten. Wie schnell kann mit diesen Erdbewohnern, der schönste Freistehplatz zum Gefängnis im eigenen Auto werden. Wir sind dennoch am Strand spazieren gegangen und haben wiedermal das Stativ für ein paar Quatsch und Filmromatikaufnahmen genutzt. 

Wiedermal zog ein Nationalpark seine Aufmerksamkeit auf uns und diesmal wollten wir wie alle anderen nur wandern ;). Die Idee war gut, doch die Realität war anders. An dieser Stellen wurde uns klar das die Nationalparks alle eine bissel anders ticken zumindest was den Eintritt und die Art des Zahlen angeht. Am Ende sind wir einen wunderschönen kostenfreien Trail am Meer gelaufen, waren in einem Bunker der zur Abwehr von deutschen U-Boot gebaut wurde haben einen Wasserfall besucht und beschloßen es dabei zu belassen und die ca. 15CAD zu sparen. 

Der vorerst letzte Park den wir besucht haben war der Parc national du Bic. Nach heiß im Algonquin und naß im Cape Breton wurde es nun kalt. Bei gerade mal 12 Grad fuhren wir in den Park, in dem wir den Tag über wandern und verbleiben wollten. Und immer dann wenn du denkst…. dann passt das Wetter dann doch irgendwie in die Landschaft. Durch den Nebel und die Wolken wirkte der Park, der direkt am Saint-Lorenz-Strom, liegt sehr märchenhaft und mystisch. Wir wanderten am Strand entlang, der sich durch die Ebbe wunderbar weit und wild präsentierte. Leider konnten wir aufgrund der einsetzen Flut den Cap-Trail nicht machen, ebensowenig den Schmugglertrail, auf dem Madeleine noch einiges zu finden hoffte. 

Die letzten anderthalb Tage waren sehr ruhig. Ein kleiner Schulberg, Zeit für ein Fotoshouting mit unseren Sachen und die ersten Momente für die Planung von Quebec und Mexiko. Am 19.09.2019 haben wir Mr. Mice in Quebec am Airport abgegeben.

Das waren 5 Wochen im Auto. Es waren gute Wochen, doch nun ist der Punkt wo es auch erstmal reicht. Das Fahren war am Ende doch sehr viel (wir fuhren um die 7320km) auch wuchs in uns der Wunsch nach etwas mehr Komfort. Ein Bad wann immer eine es brauchte, mehr als ein Topf zum Kochen, ein Kühlschrank, ein Bett mit etwas mehr Federung und hin und wieder etwas mehr Platz für ein Wiedertreffen nach ein paar Momente apart. 

Aber egal wie schön das Hostelleben sein kann, was ich immer und absolut fantastisch finde und vermissen werde sind die Frühstücksmomente in der Sonne mit Aussicht. 

… oder das süße Abendessen auf dem Walliparkplatz 😉

Unser Nationalparks

  • Cape-Breton-Highlands-Nationalpark (Nova Scotia)
  • Kouchibouguac-Nationalpark (New Brunswick)
  • Parc national Forillon (Quebec)
  • Parc national du Bic (Quebec)

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Die Luft ist raus.....

August 30, 2019